DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Schwere Entscheidung Organspende: Unversehrt sterben oder das Herz verschenken?
Marktkirche:
14.2.2012, 19 Uhr
Phoenix:
19.2.2012 um 13 Uhr und 24 Uhr
MIT:
> Landesbischof Friedrich Weber, Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig
> Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer
> Dr. Paolo Bavastro,
Arzt und Organspendekritiker
> Renate Greinert,
Initiative Kritische Aufklärung über Organtransplantation
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
Medienpartner
Mitreden
Schwere Entscheidung Organspende: Unversehrt sterben oder das Herz verschenken?
Tacheles im TV
tacheles im radio
Pro & Contra
Ist Organspende gelebte Nächstenliebe?
"Organspende ist ein großes Geschenk", meint der evangelische Landesbischof Friedrich Weber. > mehr dazu
"Der Mensch hat das Recht auf einen menschenwürdigen Tod", entgegnet Renate Greinert von der Initiative Kritische Aufklärung Organspende (KAO). > mehr dazu
 


Tacheles im Februar

Jung, muslimisch, arbeitslos:
Ist die Integration gescheitert?

Sie leben schon lange in Deutschland, viele von ihnen sind hier geboren und aufgewachsen. Und trotzdem schneiden sie schlecht ab. Muslimische Migrantenkinder verlassen die Schule fünf Mal so oft ohne Schulabschluss wie ihre deutschen Altersgenossen und sind drei Mal so oft arbeitslos. Mehr als die Hälfte der hier geborenen türkischen Einwanderer haben keine Berufsausbildung – dagegen nur jeder fünfte Deutsche. Muslime ganz verschiedener Herkunftsländer sind deutlich schlechter gebildet – unter den türkischstämmigen Einwanderern haben sehr viel mehr Christen (35,9) eine höhere Schulbildung als Muslime (27,5). Ähnlich sieht es bei den Einwanderern aus Südostasien, dem Nahen Osten und Afrika aus. Haben Muslime in Deutschland schlechtere Chancen? Mangelt es ihnen an der Bereitschaft, sich zu integrieren, oder mauert die Mehrheitsgesellschaft? Und welche Rolle spielt die muslimische Erziehung? Darum geht es bei „Tacheles – Talk am roten Tisch“ am 18. Februar 2010 von 19 bis 20 Uhr in der Marktkirche Hannover und am 28. Februar um 13 und um 22.30 Uhr auf Phoenix.

 

Die Gäste der Sendung

 

Braunschweiger Landesbischof

Friedrich Weber: Das Fremde akzeptieren

Hält die Integration für nicht gelungen: Landesbischof Dr. Friedrich Weber.

Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber sieht die Integration der türkischstämmigen Muslime in Deutschland als nicht gelungen an. Der Grund dafür sei, dass einerseits die Deutschen nicht gelernt hätten, das Fremde zu akzeptieren und andererseits die Einwanderer der ersten Generation lieber unter sich blieben. Auch der Islam spiele eine Rolle beim Scheitern der Kinder und Jugendlichen in Schule und Beruf. Der Braunschweiger Landesbischof fordert einen intensiveren Dialog zwischen Christen und Muslimen.

 

Vorsitzende der Muslimischen Akademie in Deutschland

Hamideh Mohagheghi:
Bildung ist wichtiges islamisches Gebot

Integration können nicht die Aufgabe der eigenen Werte bedeuten, meint Hamideh Mohagheghi von der Muslimischen Akademie.

Die Vorstandsvorsitzende der Muslimischen Akademie in Deutschland, Hamideh Mohagheghi, sieht es als wichtiges Gebot im Islam, sich Wissen anzueignen. Die islamische Theologin setzt sich auch für kulturelle und religiöse Vielfalt in Deutschland ein: „Es ist nicht im Sinne der Pluralität und nicht integrationsfördernd, wenn fremde Lebensgewohnheiten, religiöse und weltanschauliche Ausdrucksformen versteckt werden sollen.“ Für den Begriff Integration fordert Mahagheghi eine präzisere Definition. Die Integration könne nicht die „Entwurzelung der geistigen Verbindung zur Tradition der Familie und schon gar nicht die völlige Aufgabe der eigenen Werte“ sein.

 

Soziologin und Autorin

Necla Kelek: Vielen Muslimen fehlt der Wille zur Integration

Necla Kelek plädiert für die "Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes"

Die Soziologin fordert die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes. In ihrem Buch „Die verlorenen Söhne“ widerspricht sie der These, dass soziale Ausgrenzung und Benachteiligung die Gründe für das schlechte Abschneiden von muslimischen Migranten in Schule und Beruf sind. Vehement kritisiert die Autorin den mangelnden Willen zur Integration bei vielen Muslimen. Deren Vertreter würden den interreligiösen Dialog oft nur als Einladung missverstehen, zum Islam zu bekehren.

 

Autor

Cem Gülay: Die Politik muss handeln

Erzählt in seiner Autobiografie seine Geschichte, Cem Gülay alias "Türken-Sam"

In seinem autobiografischen Buch „Türken-Sam: Eine deutsche Gangsterkarriere“ erzählt der Deutschtürke Cem Gülay seine Geschichte. Er wurde kriminell, weil ihn die deutsche Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzte, davon ist Gülay überzeugt. Zahllosen Kindern und Jugendlichen mit muslimischem Migrationshintergrund gehe es nicht besser als ihm.  „Sie sind wütend. Sie fühlen sich diskriminiert und ausgegrenzt“, erklärt er und befürchtet, dass es zu Unruhen und brennenden Innenstädten kommen könne. „Da stimmt doch etwa nicht am System“, kritisiert Gülay und fordert die politisch Verantwortlichen auf, endlich zu handeln.

 

Pro und Contra

Schottet sich die deutsche Gesellschaft gegenüber den Eingewanderten ab?

 

Kolumne Pro

Cem Gülay:
Am System ist etwas nicht in Ordnung

"Die Bildungschancen für Migranten sind heute noch schlechter", sagt Cem Gülay.

Wenn es die deutsche Gesellschaft nicht schafft, Menschen wie mich zu integrieren, wen dann? Ich wollte dazu gehören, aber man hat mir oft genug das Gefühl gegeben: Du gehörst nicht dazu. In meinem Buch „Türken-Sam: Eine deutsche Gangsterkarriere“ habe ich meine Geschichte erzählt. Man sagt, ich bin intelligent, sehe gut aus, spreche fehlerfrei deutsch – und bin trotzdem diskriminiert worden.

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Kolumne Contra

Landesbischof Prof. Dr. Weber:
Viele Migranten verweigern sich

Landesbischof Weber: "Integration bedeutet nicht Assimilation."

Die beste Prävention gegen misslungene Integration heißt Bildung. Hier ist vor allem die Bereitschaft wichtig, Bildungsangebote zu nutzen. Ich beobachte besonders bei älteren Migranten, dass sie nach zwanzig Jahren in Deutschland immer noch nicht gut deutsch sprechen können und sich kaum auf die gesellschaftlichen Bedingungen eingelassen haben. Auch deshalb ist die Integration der türkischen Muslime keine Erfolgsgeschichte. Viele Migranten verweigern sich, weil sie befürchten, ihre eigene Identität zu verlieren.

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