DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
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Mitreden
Wirtschaftswachstum als Leitgröße: Ist immer mehr immer besser?
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Deutsche Einheit – darf Ostalgie noch sein?
Ostalgie ist nicht nur schlecht, sagt der evangelische Bischof Gerhard Ulrich. > mehr dazu
Die DDR war ein Unrechtsstaat, entgegnet der Publizist Wolfram Weimer. > mehr dazu

Motorradgottesdienste

Wenn harte Rocker fromme Schafe werden

Pastor Erich Faehling predigt auf Motorradgottesdiensten.

Pastor Erich Faehling predigt beim Motorradgottesdienst in Hamburg vor 40.000 Bikern. Bei Tacheles erzählt er von U-Boot-Christen, Ente-Fahrern und Weihnachten mitten im Jahr.  Er sagt, auch Biker fragen sich: „Wo gehöre ich eigentlich hin?“

Herr Faehling, Sie sind Motorradpastor in Hamburg und veranstalten große Motorradgottesdienste. Wie läuft solch ein Gottesdienst ab?

Faehling: Der Motorradgottesdienst in Hamburg findet einmal im Jahr im Sommer statt. Er steht im Kontext von mehreren hundert Motorradgottesdiensten bundesweit und wird veranstaltet von einem kleinen Trägerverein aus acht Personen und 350 Ehrenamtlichen. In einem guten Jahr und bei gutem Wetter kommen 40.000 Menschen.

Biker sind ja nun nicht gerade als fromme Schafe bekannt. Warum machen Sie das?

Faehling: Ich habe mir mit großem Interesse die Debatte hier angehört und bin auf meinem Stuhl hin- und hergerückt. Am liebsten hätte ich immer mal wieder den Finger gehoben. Ich zum Beispiel gehe dieses Thema nicht aus der Werteperspektive an, sondern gehe es ehr aus der Perspektive an: „Wo komme ich her, wo gehe ich hin?“ Ich sehe das aus einer seelsorgerlichen Perspektive.

Was bewegt die Motorradfahrer? Warum kommen sie in so großer Zahl zu diesen Gottesdiensten?


Faehling: Motorradfahrer sind zunächst ein Volk, das gerne etwas gemeinsam unternimmt. Sie sind ja die letzten neben den Ente-Fahrern, die sich auch auf der Straße grüßen, wenn sie sich nicht kennen. Man findet sie immer im Rudel vor. Das kann manchmal auch nerven.

Aber warum gehen sie dann in einen Gottesdienst?

Faehling: Ich glaube, sie zeigen exemplarisch, gerade auch in ihrer Kutte und auf ihren Maschinen, ein Stück der Einsamkeit unserer Gesellschaft. Sie tauchen nämlich gemeinsam und in einer etwas kernigen Atmosphäre auf und verdecken dadurch etwas, was viele Menschen auch mit sich herumtragen: Eine Seele die fragt: „Wo gehöre ich eigentlich hin?“

Von Kritikern wird oft eingewandt, dass so große Massenevents nicht das sind, was die Kirche eigentlich ausmacht. Was sagen Sie denen?

Faehling: Ich bin mit dieser Kritik aufgewachsen. Ich bin in der Zeit aufgewachsen, in der man die Leute an Heiligabend als U-Boot-Christen beschimpft hat, die nur einmal im Jahr auftauchen. Ich sehe den Motorradgottesdienst in Hamburg und die vielen kleinen Gottesdienste, die es gibt, als Weihnachten mitten im Jahr. Das ist für mich eine großartige Gelegenheit. Das sind Menschen, die berührbar sind. Wir versuchen sie nicht in der Masse, sondern jeden als Einzelnen zu sehen.

Dokumentation: Sandra Stadniczuk

Von harten Kerlen und frommen Schafen – Motorradpastor berichtet bei Tacheles