DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er macht sich stark für einen offenen, fairen Dialog - bei dem auch Trennendes zur Sprache kommt.
Aktuelle Sendung
Einwanderung und Arbeitsmarkt: Fremd im eigenen Land?
Marktkirche:
09.09.2010 um 20 Uhr
Phoenix:
12.09.2010 um 13 und 22.30 Uhr
MIT:
> Bischof Frank Otfried July,
Evangelische Kirche in Würrtemberg
> Uwe Schünemann, niedersächsischer Innenminister
> Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke
> Necla Kelek,
Soziologin und Publizistin
Medienpartner
MITREDEN
Bundeswehr in Afghanistan: Krieg für einen gerechten Frieden?
Tacheles im TV
Pro & Contra
Frieden schaffen mit verstärktem Militäreinsatz in Afghanistan?
Pro: "Sicherheit kann man nur mit mehr Militär schaffen" fordert Prof. Dr. Wolffsohn der Universität der Bundeswehr. mehr dazu
Contra: "Der Frieden wird nur zivil gewonnen" meint der evangelische Militärbischof Dr. Dutzmann. mehr dazu
UMFRAGE
Werden Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt?

  JA, ein ausländisch klingender Namen reicht für eine Absage.

  NEIN, auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es die gleichen Chancen für alle.

  Einige Unternehmen diskriminieren Menschen mit Migrationshintergrund, aber durch die schlechten Leistungen im Bildungssystem tragen die Migranten zur Misere bei.

Evangelischer Militärbischof Dr. Martin Dutzmann

Contra: "Der Frieden wird nur zivil gewonnen"

"Wir müssen nach einer Perspektive des Rückzugs suchen", meint Militärbischof Dr. Dutzmann

Ich habe Zweifel, dass mehr Soldaten mehr Sicherheit nach Afghanistan bringen. Das Militär kann und soll die zivile Entwicklungshilfe absichern, denn letztlich können Frieden und Sicherheit  nur zivil gewonnen werden.

Zurzeit haben wir Krieg in Afghanistan – auch wenn diese Bezeichnung völkerrechtlich nicht zutrifft.  Die Menschen im Land – Soldatinnen und Soldaten sowie  Menschen, die zivile Projekte betreuen – erleben es aber anders. Auch das aktuelle Friedensgutachten verschiedener deutscher Institute spricht übrigens von „Krieg“.  Im Krieg aber werden Entscheidungen unter anderen Voraussetzungen getroffen als im Frieden. Ich habe Oberst Klein, der am 4. September die Luftangriffe befahl, persönlich als verantwortungsbewussten und sensiblen Truppenführer kennen gelernt. Es mag sein, dass er Fehler gemacht hat; das müssen und werden die laufenden Untersuchungen ergeben. Eins aber ist klar: Es gibt keinen gerechten Krieg. Darin stimme ich mit der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche überein.

Was ist dann zu tun? Wir müssen nach einer verlässlichen Perspektive suchen, um das Militär aus Afghanistan wieder abziehen zu können. Die Politik muss endlich klarer beschreiben, wie das Mindestmaß an Stabilität aussieht, das die Voraussetzung für einen verantwortbaren Truppenabzug ist. Es wird nicht damit getan sein, nur eine bestimmte Anzahl afghanischer Soldaten zur Verfügung zu haben. Es muss auch sichergestellt sein, dass diese von den Natostreitkräften ausgebildeten Soldaten nicht am Ende von Menschen benutzt werden, deren Ziele nicht die unseren sind.

Selbstkritisch wird man sagen müssen, dass die eingangs gesetzten Ziele dieses Einsatzes zu hoch gesteckt waren. Eine Demokratie nach westlichem Muster werden wir in Afghanistan nicht etablieren, und das ist auch nicht die Aufgabe. Aber wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wenn im Namen der Sharia Dieben die Hand abgehackt oder eine vermeintliche Ehebrecherin gesteinigt wird. Dabei wissen wir, dass dieser Krieg nicht nur, vielleicht noch nicht einmal in erster Linie religiöse Ursachen hat. Viele der Taliban sind nicht als Gotteskrieger zu verstehen. Afghanistan ist eines der ärmsten Länder der Erde, und so schließen sich auch Menschen in Not gegen Bezahlung den Taliban an. Auch aus diesem Grund bedarf es eines verstärkten zivilen Wiederaufbaus, um durch die Linderung der Armut die Gewalt an der Wurzel zu überwinden.“