DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
Medienpartner
Mitreden
Der Papst und Luthers Erben: Einig im Glauben oder für immer getrennt?
Tacheles im TV
Tacheles im Radio
Pro & Contra
Meint der Papst es ernst mit der Ökumene?
„Der Papst und ich sehen vieles ähnlich“, meint der EKD-Ratsvorsitzende Präses Nikolaus Schneider. > mehr dazu
Bascha Mika: „Der Papst hat alle Hoffnungen enttäuscht“, entgegnet die ehemalige taz-Chefredakteurin Bascha Mika. > mehr dazu

Contra

Bascha Mika: „Der Papst hat alle Hoffnungen enttäuscht“

Prof. Bascha Mika lehrt an der Hochschule der Künste in Berlin und war Chefredakteurin der Tageszeitung (taz).

Die Begeisterung für den Papst ist abgekühlt. Umfragen zeigen, dass es der Hälfte der Befragten egal ist, ob das Oberhaupt der katholischen Kirche nach Deutschland kommt. Kein Wunder: In vielen Punkten ist Benedikt  vor allem ein Ärgernis: Sein Autoritätsverständnis und sein Umgang mit Frauen sind nicht tragbar in einer aufgeklärten Gesellschaft.

Spannend ist: Ein Großteil der deutschen Katholikinnen sieht das ebenso. Die Mehrheit der katholischen Frauen spricht sich für eine Öffnung des Priesteramts für Frauen aus und ist gegen den Zölibat. Es kann doch nicht sein, dass Frauen in der katholischen Kirche putzen dürfen, den Großteil der ehrenamtlichen Arbeit in den Gemeinden leisten, aber keine leitenden Ämter bekleiden und es nicht wert sind, mit Priestern verheiratet zu sein. Alle theologischen Begründungen dafür sind Humbug. Ebenso wie für den Zölibat.

Wenn der EKD-Ratsvorsitzende Präses Schneider den Papst trifft, sollte er ihm beschreiben, wie toll es ist, Frauen überall dabei zu haben. „Die Kirche geht garantiert nicht  an den Frauen zu Grunde“ - das sollte er seinem Kollegen mal sagen.

Ob Joseph Ratzinger ihm zuhört, ist eine andere Frage. Für Erneuerung in der katholischen Kirche gibt es zurzeit überhaupt keine Anzeichen.

Dabei hat Ratzinger als er ins Amt kam, Hoffnungen geweckt und in Deutschland eine regelrechte Papstmanie ausgelöst: Ja, er war ein Hardliner, hieß es, aber jetzt muss er für die gesamte katholische Kirche sprechen und wird dadurch offener sein. Das stimmt eben nicht.  Benedikt hat diesen gemeingefährlichen Kerl von der Piusbruderschaft zurück in die Kirche geholt. Er hat sich einiges in Bezug auf die Muslime und Protestanten geleistet. Ich erwarte von diesem Papst nichts mehr. Er hätte genügend Gelegenheiten gehabt, positive Zeichen für die Zukunft zu setzen – von der Ökumene bis zur Annäherung an den Islam. Er hat es nicht getan. 

Dabei glauben Katholiken und Protestanten an denselben Gott und an denselben Christus. Es gibt unterschiedliche theologische Auffassungen, aber das sollte eigentlich kein unüberwindbares Hindernis sein. Zumal viel Ideologie hinter den Differenzen steckt. Es ist immer von Übel wenn Vertreter einer Religion behaupten, im Besitz des einzig wahren Glaubens zu sein. Und das gibt es leider auf beiden Seiten. Es geht also auch darum,  Arroganz und Selbstgerechtigkeit zu überwinden. Doch das wird mit Papst Benedikt schwer möglich sein.