DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
Medienpartner
Mitreden
Sehnsucht nach Sinn: Wie viel Kirche braucht das Land?
Tacheles im TV
Tacheles im Radio
Pro & Contra
Sind die Kirchen unverzichtbar?
Die Kirche hat einen öffentlichen Auftrag, meint der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. > mehr dazu
Die Kirche vermittelt Unsinn entgegnet Philipp Möller, Sprecher der religionskritischen Giordano Bruno-Stiftung. > mehr dazu

Contra

Philipp Möller: Die Kirche vermittelt Unsinn

Philipp Möller ist Sprecher der religionskritischen Giordano Bruno-Stiftung. Foto: Evelin Frerk

Wir leben in einem säkularen Staat, in dem Kirche und Staat getrennt sein sollten. Jeder Politiker und jede Politikerin kann glauben, was er oder sie möchte. Es darf aber nicht sein, dass eine christliche Überzeugung in ein Gesetz einfließt, das für hundert Prozent der Bevölkerung gilt, obwohl nur sechzig Prozent der Menschen überhaupt christlich sind. Der Glaube gehört ins Privatleben und hat in der Öffentlichkeit nichts verloren. Dass der Staat für die Kirchen die Steuern eintreibt, ist nicht tragbar. Wer sagt: Jeder sei frei, auszutreten, der irrt. Ich erinnere nur an die eine Million Menschen, die in kirchlichen Einrichtungen arbeitet. Diese Menschen können nicht einfach aus der Kirche austreten, ihnen würde dann der Jobverlust drohen.

Wenn Eltern meinen, ihre Kinder taufen lassen zu müssen und ihnen zu erzählen, dass wir alle von Adam und Eva abstammen, bitte. Ich halte das zwar für absurd, aber es ist die Entscheidung der Eltern. Viel problematischer ist der Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Ich habe selbst jahrelang als Lehrer gearbeitet. Da standen Kinder vor mir, die gerade im Religionsunterricht die Arche Noah behandelten, und fragten, warum Gott denn alle Meerschweinchen bis auf zwei umgebracht hat. Was wollen Sie denen denn sagen?

Der Wirbel um die Bibel ist absurd. Wir haben 99,9 Prozent der Zeit als Homo Sapiens ohne das Christentum gelebt. Ich glaube einfach nicht, dass alle für das menschliche Miteinander wichtigen Werte in den letzten 0,1 Prozent der Zeit entstanden sind. Jeder Mensch hat das Recht, sich als Ebenbild des Erfinders des Universums zu verstehen. Aber ich nehme das Recht in Anspruch, das als größenwahnsinnigen Unsinn zu bezeichnen.

Viele Menschen suchen nach einem Sinn im Leben. Ob die Kirche dabei irgendeine Hilfe ist, könnten wir besser besprechen, wenn sie nicht diese Vormachtstellung in Deutschland hätten. Ich bin dafür, den Sinn des Lebens im Leben selber zu suchen und nicht in dem, was danach wahrscheinlich nicht kommt. Wer auf der Suche nach Unsinn ist, der ist in der Kirche bestens aufgehoben.