DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
Medienpartner
Mitreden
Streit um den Sozialstaat: Ist sich jeder selbst der Nächste?
Tacheles im TV
tacheles im radio
Pro & Contra
Verführt das Geld die Menschen?
"Reichtum ist gefährlich", schreibt der evangelische Landesbischof Jochen Bohl aus Sachsen. > mehr dazu
"Gerechtigkeit hat viele Facetten", entgegnet die Vorsitzende der Jungen Unternehmer, Marie-Christine Ostermann. > mehr dazu

Contra

Marie-Christine Ostermann:
"Gerechtigkeit hat viele Facetten"

Marie-Christine Ostermann ist Verfechterin der Generationengerechtigkeit.

Wenn in Deutschland über Gerechtigkeit diskutiert wird, geht es meistens um Verteilungsgerechtigkeit. Diese Art der Debatte ist mir viel zu eindimensional. Denn der Gerechtigkeitsbegriff hat viele Facetten. Chancengerechtigkeit und Generationengerechtigkeit gehören unbedingt dazu.

Chancengerechtigkeit bedeutet, dass jeder Mensch eine faire Chance erhalten sollte, das Beste aus seinem Leben zu machen. Er sollte seine Talente bestmöglich entfalten können – für sich selbst und für die Gesellschaft als Ganzes. Hierfür bedarf es vernünftiger Rahmenbedingungen, zum Beispiel gute Bildungschancen und Toleranz für die Vielfalt von Lebensentwürfen. Auch der Schutz vor bürokratischer Willkür sichert Chancengerechtigkeit.

Eine ebenso wichtige Facette des Gerechtigkeitsbegriffs ist die Generationengerechtigkeit. Diese steht für das Prinzip, dass keine Generation auf Kosten der anderen Generation leben sollte. Ich finde es in höchstem Maße verantwortungslos, wenn künftigen Generationen massive Lasten aufgebürdet werden, sei es durch eine horrende Staatsverschuldung, sei es durch die Verschwendung natürlicher Ressourcen.

Oft genug führen rücksichtslose Kämpfe um Besitzstände dazu, dass Verteilungsgerechtigkeit sowohl Chancen- als auch Generationengerechtigkeit unter sich begräbt. Beobachten kann man das zurzeit auf dramatische Weise in den südeuropäischen Schuldenstaaten. Hier sorgt ein starrer Arbeitsmarkt dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit deprimierende Höhen erreicht. Das ist alles andere als gerecht – und ich denke, es ist auch nicht christlich. Immer mehr Umverteilung ist deshalb keine Lösung.

Ich bin Katholikin. Bei meiner Arbeit als Familienunternehmerin leiten mich auch christliche Werte. Respekt und Rücksichtnahme sind mir im Umgang mit anderen Menschen ganz wichtig. Ich finde es schade, dass einige Menschen in Deutschland den Unternehmern kritisch begegnen und ihnen Geldgier unterstellen. Diese Leute vergessen, dass wir Unternehmer Millionen von Arbeitsplätzen schaffen und somit vielen Menschen ein großes Maß an Sicherheit bieten. Als Unternehmer kann man eben nicht nur Geld verdienen, sondern auch viel Gutes für andere bewirken.