DER MODERATOR
Fernsehpastor Jan Dieckmann moderiert Tacheles. Er spricht im Interview über die Integration, bewegende Momente bei Tacheles und der Frage nach welchen Werten wir leben wollen.
Aktuelle Sendung
Wirtschaft und Werte: Kann denn Wachstum Sünde sein?
Marktkirche:
19.6.2012, 19 Uhr
Phoenix:
24.6.2012 13.00 Uhr
24.6.2012 00.00 Uhr
MIT:
> Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Ehemals Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
> Mario Ohoven,
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
> Jutta Sundermann,
Attac Deutschland
> Prof. Dr. Utz Claassen,
Unternehmer
WER TACHELES TRÄGT
Evangelische Kirche in Deutschland Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Klosterkammer Hannover Evangelische Kirche im NDR
Medienpartner
Mitreden
Religion und Meinungsfreiheit: Schluss mit lustig?
Tacheles im TV
tacheles im radio
Pro & Contra
Endet die Meinungsfreiheit bei verletzten religiösen Gefühlen?
PRO: "Religiöse Gefühle sind zu achten" fordert Landes-
bischöfin Dr. Margot Käßmann, EKD-Ratsvorsitzende. mehr dazu
CONTRA: "Religionskritik ist Teil der Meinungs-
freiheit"
meint Bascha Mika, Universitätsprofessorin und Chefredakteurin der taz von 1998 bis 2009. mehr dazu

Kerim Pamuk

„Allah verzeiht, der Hausmeister nicht“

Kerim Pamuks Sicht auf die Deutschen

„Guten Tag und Grüß Gott, liebe Glaubensschwestern und Glaubensbrüder aus dem Orient“, so begrüßt Kerim Pamuk die Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich für das „possierliche und ultramoderne Deutschland“ interessieren. So beschreibt er jedenfalls das Land, in das er 1979 – im Alter von neun Jahren – zog. In seinem kulturellen Reiseführer „Allah verzeiht, der Hausmeister nicht“ erklärt Pamuk, worauf sich ein Migrant in Deutschland vorbereiten muss.

Sein ultimativer Plan ist es, „in die Sitten und Bräuche dieses stolzen und mehrheitlich blonden Volkes einzuführen“. Gemeint sind natürlich die Deutschen. Dabei berichtet er sehr anschaulich, wie bekloppt wir Deutschen doch manchmal sind. Zum Beispiel, wenn wir in der tiefsten Eiseskälte in Herbst und Winter in Decken gewickelt vor den Cafés sitzen, um noch ein oder zwei Sonnenstrahlen zu ergattern. „Wie die Sonnenanbeter“ an der „Costa del Heizpilz“ säßen wir dort, beschreibt Pamuk. Der Autor erklärt, dem Deutschen sei jeder Sonnenstrahl heilig, denn er habe nur wenige: „Vom Deutschen lernen heißt frieren lernen.“

Das nicht ganz einfache Thema Religion thematisiert der Kabarettist ebenfalls: In Deutschland sei Religion „nur in Spurenelementen zu finden“, von der Gottesfurcht seien „nur noch barocke Gebäude geblieben.“

Am schlechtesten davon kommt in Pamuks Deutschland-Analyse der durchschnittliche deutsche Hausmeister. Denn: „Allah kennt Gnade, der Hausmeister nicht.“ Und, noch schlimmer: Der Theorie des Autors zufolge steckt in jedem Deutschen ein kleiner Hausmeister. Genau deshalb gäbe es auch zahlreiche blühende Verbotsschilderlandschaften in Deutschland. Aus Migrantensicht steht fest: „Die Deutschen müssen verrückt sein.“ Dennoch verspricht Pamuk: „Am Ende werden sie die Deutschen auf jeden Fall mögen.“ Das schwört er sogar auf den Koran.

Unterhaltungswert hat das von ihm selbst gelesene Hörbuch allemal. Und es ermöglicht einen etwas anderen Blick auf uns Deutsche.

Kerim Pamuk: Allah verzeiht, der Hausmeister nicht. Verlag Eichborn, 2009, 71 Minuten, 14,95 Euro.



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